Klingt provokant, oder? Doch tatsächlich wird die Strategie für Prozessen in Unternehmen oft unterschätzt. Viele Organisationen definieren ambitionierte Unternehmensstrategien, vergessen dabei aber, diese in ihren alltäglichen Abläufen zu verankern. Genau hier kommen strategische Prozessziele ins Spiel – sie sind das unsichtbare Band zwischen PowerPoint-Strategie und Maschinenraum-Realität.
Strategie trifft Prozess: Zwei Welten, eine Richtung
Strategische Prozessziele verbinden die langfristige Ausrichtung eines Unternehmens mit den täglichen Handlungen in Prozessen. Ohne diese Verbindung bleibt Strategie ein schöner Gedanke – irgendwo zwischen Vision und Wunschtraum. Prozesse wiederum, ohne strategische Ausrichtung, laufen effizient ins Leere. Die Symbiose aus beiden sorgt für Zielklarheit, Steuerbarkeit und nachhaltigen Unternehmenserfolg.
Bevor wir tiefer einsteigen, ein kurzer Begriffsklärungs-Jingle:
- Strategische Prozessziele: Langfristige, richtungsweisende Ziele, die die operative Prozesslandschaft auf die Unternehmensstrategie ausrichten.
- Kennzahlen (KPIs): Messgrößen zur Bewertung der Zielerreichung – von Effizienz bis Nachhaltigkeit.
- Prozess-Performance: Die tatsächliche Leistungsfähigkeit eines Prozesses bezogen auf definierte KPIs.
Die Relevanz strategischer Prozessziele
Warum braucht man überhaupt strategische Prozessziele? Ganz einfach: Weil Unternehmen keine Strategien „leben“, sondern Prozesse. Wer will, dass strategische Ziele Realität werden, muss diese in die Prozesse übersetzen. Strategische Ziele unterscheiden sich dabei von operativen Zielen durch ihre Langfristigkeit, ihren übergeordneten Charakter und ihren Beitrag zur Gesamtstrategie.
Diese Ziele schaffen Transparenz, geben Orientierung und ermöglichen, dass alle Prozesse auf dasselbe große Ganze einzahlen. Statt Abteilungen in Silos denken zu lassen, fördern sie unternehmensweite Zielklarheit. Und das ganz ohne Gruppenumarmung.
Ableitung strategischer Prozessziele
Wie kommt man von der großen Vision zum einzelnen Prozessziel? Der Schlüssel liegt im Top-down-Ansatz. Die Unternehmensstrategie wird in Teilstrategien und schließlich in konkrete Prozessziele heruntergebrochen. Klingt einfach, ist aber ein echter Balanceakt zwischen Detailverliebtheit und strategischer Flughöhe.
Hilfreiche Methoden dabei sind:
- Zielkaskadierung: Die Strategie wird schrittweise bis auf Prozessebene heruntergebrochen.
- Strategy Maps: Visualisieren Zusammenhänge zwischen strategischen Zielen und Prozessen.
- SMART-Kriterien: Sorgen für klare, messbare Zieldefinitionen.
- Balanced Scorecard, Hoshin Kanri und OKR: Methodische Schwergewichte im Zielmanagement, die sich auch hervorragend im Prozesskontext anwenden lassen.
Messung und Überwachung
Ein Ziel ohne Messung ist wie ein Navigationssystem ohne GPS. Damit aus einem Prozessziel auch eine Steuergröße wird, braucht es passende KPIs – spezifisch, relevant und verständlich.
Ein gutes Prozesskennzahlensystem verbindet strategische Relevanz mit operativer Umsetzbarkeit. Die Auswahl der richtigen Tools ist dabei entscheidend: Business Intelligence-Systeme, Prozesscockpits oder moderne Workflow-Analytics helfen, aus Daten echte Erkenntnisse zu gewinnen.
Doch Vorsicht: Wer zu viel misst, sieht den Wald vor lauter Kennzahlen nicht mehr. Deshalb: Konzentration auf wenige, aber aussagekräftige KPIs. Und ganz wichtig – Verantwortlichkeiten und Überwachungszyklen klar regeln.
Herausforderungen und wie man sie überlebt
Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein auf dem Weg zur strategisch gesteuerten Prozesslandschaft. Oft scheitert die Zielquantifizierung an diffusen Begriffen wie „Kundenzufriedenheit“ oder „Innovation“. Oder Mitarbeitende begegnen dem ganzen KPI-Thema mit einer Mischung aus Skepsis und leichter Migräne.
Auch das klassische Silodenken und fehlende Integration in bestehende Steuerungssysteme können echte Bremsklötze sein.
Was hilft? Eine Kombination aus:
- Change Management: Menschen für die Veränderung gewinnen.
- Transparente Kommunikation: Zeigen, warum die Ziele wichtig sind.
- Governance-Strukturen: Zuständigkeiten und Entscheidungswege klären.
Praxisbeispiele und Trends
Ein schönes Beispiel aus der Praxis: Ein mittelständisches Fertigungsunternehmen führte im Zuge der Digitalisierung ein KPI-System für Produktionsprozesse ein. Der Clou: Die strategischen Ziele zur Energieeffizienz wurden direkt mit KPIs auf Maschinenebene verknüpft – der Energieverbrauch pro Bauteil wurde zur Steuergröße. Ergebnis? 15 % Einsparung in nur einem Jahr.
In der Dienstleistungsbranche wiederum setzen Unternehmen zunehmend auf automatisiertes Performance-Tracking und KI-gestützte Auswertungen. Und: Der Trend geht zur Verknüpfung von Prozesszielen mit ESG-Zielen – Nachhaltigkeit wird zum strategischen Steuerungsziel.
Fazit: Ohne Prozessziel keine Richtung
Strategische Prozessziele sind der Klebstoff zwischen Vision und Umsetzung. Sie machen strategisches Denken messbar, steuerbar und vor allem – wirksam. Wer sie sauber ableitet, mit passenden KPIs hinterlegt und regelmäßig überprüft, legt das Fundament für langfristigen Erfolg.
Und seien wir ehrlich: Ein bisschen Zielklarheit hat noch keinem Prozess geschadet.
Key Facts
- Strategische Prozessziele verbinden Vision und operatives Handeln.
- Eine strukturierte Zielableitung und ein passendes KPI-System sind essenziell.
- Moderne Tools und Methoden machen Zielsteuerung transparent und effizient.


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