Nachhaltigkeit braucht Prozesse, keine PowerPoints

Nachhaltigkeit ist kein grünes Feigenblatt mehr, das man sich in den Nachhaltigkeitsbericht klebt. Sie ist längst ein strategischer Imperativ – wirtschaftlich, gesellschaftlich und ökologisch. Unternehmen stehen unter wachsendem Druck, ihre Verantwortung nachweisbar und messbar wahrzunehmen. Und genau hier kommt strategisches Business Process Management (BPM) ins Spiel.

Dieser Beitrag zeigt, wie BPM mehr kann, als Prozesse effizienter machen. Es ist der methodische Hebel, um Nachhaltigkeitsziele (SDGs) konkret umzusetzen. Denn Nachhaltigkeit ohne Prozesse ist wie Bio-Lebensmittel ohne Lieferkette – nett gemeint, aber schwer umzusetzen.

Begriffsklärung, kurz und griffig:

  • Strategisches BPM: Langfristig ausgerichtete, prozessorientierte Unternehmensführung
  • SDGs: Die 17 Ziele der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung – von Klimaschutz über Gleichstellung bis Bildung
  • Verbindungspunkt: Prozesse sind die Stellschrauben, mit denen Nachhaltigkeit im Unternehmen tatsächlich bewegt werden kann

Die Rolle von BPM in der nachhaltigen Unternehmensstrategie

Prozesse sind mehr als Abläufe – sie sind die Nervenbahnen der Wertschöpfung, bestimmen den Ressourcenverbrauch und die sozialen Wirkungen eines Unternehmens. Wer nachhaltiger wirtschaften will, muss seine Prozesse verstehen – und steuern.

Strategisches BPM baut dabei die Brücke zwischen nachhaltigen Unternehmenszielen und konkretem Tun im Tagesgeschäft. Im Prozessdesign können bereits nachhaltige Prinzipien verankert werden: von der Energieeffizienz über soziale Verträglichkeit bis hin zur Zirkularität.

Mit anderen Worten: Wer Prozesse strategisch denkt, kann Nachhaltigkeit systematisch umsetzen – statt sie nur strategisch schönzureden.

Einsatzpotenziale: Wie BPM konkrete SDGs unterstützen kann

SDG 12 – Nachhaltige/r Konsum & Produktion
Prozesse werden so gestaltet, dass Abfälle reduziert und Recycling-Prinzipien verankert werden. Beispiel: Closed-Loop-Logistik oder Rücknahmeprozesse für Produkte.

SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz
Optimierte Prozesse sparen nicht nur Geld, sondern auch CO₂. Digitalisierung, Automatisierung oder Robotic Process Automation (RPA) sind Werkzeuge, um Emissionen signifikant zu senken.

SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit & Wirtschaftswachstum
Standardisierte, transparente Prozesse helfen, faire Arbeitsbedingungen sicherzustellen und Diversität zu fördern – z. B. durch biasfreie Bewerbungsprozesse.

SDG 9 – Industrie, Innovation & Infrastruktur
BPM wird zum Innovationstreiber, indem es nachhaltige Technologien integriert und neue Prozessmodelle für zukunftsfähige Infrastrukturen entwickelt.

Und: Durch ein strategisches Prozessportfolio-Management können Prozesse gezielt den relevanten SDGs zugeordnet werden – ein „Mapping“, das zeigt, wo der Impact wirklich liegt.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Natürlich ist der Weg zur nachhaltigen Prozesslandschaft kein Spaziergang durch den Wald (obwohl der metaphorisch ganz gut passen würde).

Messbarkeit
Viele SDGs sind schwer greifbar. Strategisches BPM hilft, sie in prozessbezogene KPIs zu übersetzen – etwa über Sustainability Process Scorecards.

Komplexität & Silos
Nachhaltigkeit ist kein Einzelprojekt – sie betrifft alle Abteilungen. BPM schafft horizontale Transparenz und fördert die Kollaboration über Silogrenzen hinweg.

Kompetenzlücken
Nicht jedes Prozessmanagement-Team hat Nachhaltigkeit auf dem Radar. Hier braucht es interdisziplinäre Teams, Weiterbildungen und gezielte Kompetenzentwicklung.

Lösungsansätze
Neben Scorecards helfen prozessbezogene SDG-Kennzahlen, die Integration in Governance-, Risk- und Compliance-Strukturen (GRC) sowie Prozessdokumentation mit Nachhaltigkeitsbezug.

Praxisbeispiele und Trends

Nachhaltige Lieferkettenprozesse
Ein Unternehmen etabliert ein BPM-basiertes Lieferantenaudit nach ESG-Kriterien – so wird Nachhaltigkeit auch beim Einkauf gelebt.

Digitalisierung trifft Nachhaltigkeit
Unternehmen X nutzt BPM, um seine Digitalisierungsstrategie an den SDGs auszurichten – inklusive Monitoring und Nachverfolgung über Dashboards.

Trend: ESG-Reporting trifft Prozessmanagement
Immer mehr Organisationen verknüpfen ihre Prozesslandschaften mit ESG-Reporting-Tools. Der Vorteil: Nachhaltigkeit wird sichtbar – nicht nur für den Nachhaltigkeitsbericht, sondern für den operativen Alltag.

Zukunftsausblick: Process Mining + KI = automatisiertes Sustainability Monitoring
Klingt futuristisch, ist aber bereits Realität: Künstliche Intelligenz kombiniert mit Process Mining kann Nachhaltigkeit in Echtzeit überwachen – pro Prozess, pro Abteilung, pro Standort.

Key Facts auf einen Blick

  • BPM operationalisiert Nachhaltigkeit: Strategische SDG-Ziele werden in konkrete Prozessmaßnahmen übersetzt
  • Nachhaltige Prozesse erzeugen echten Impact: Ökologische und soziale Effekte werden mess- und steuerbar
  • Strategisches BPM ist Treiber der Transformation: Effizienz trifft Verantwortung – und das mit System

Fazit: Nachhaltigkeit braucht Struktur, nicht nur Vision

Visionen sind wichtig. Doch ohne Prozesse bleibt Nachhaltigkeit oft ein frommer Wunsch. Strategisches BPM schafft die Strukturen, um Nachhaltigkeit greifbar, steuerbar und wirkungsvoll umzusetzen. Es verknüpft Effizienz mit Ethik, Performance mit Planetenverantwortung.

Wer also glaubt, dass BPM nur für Lean Management oder ISO-Zertifikate gut ist, sollte nochmal nachrechnen – diesmal mit Impact-Faktor.