BPMN vs. EPK erklärt in 160 Sekunden? Fast. Wir zeigen, welcher Standard für Ihre Prozesse passt – von Symbolik bis Automatisierung, klare, Regeln & Beispiele.

Kurzüberblick: Was steckt hinter BPMN und EPK?

BPMN 2.0 nutzt eine klare Symbolik aus Events, Tasks, Gateways sowie Pools/Swimlanes. Bonus: eine Ausführungssemantik, mit der Workflows bis zur Orchestrierung von Microservices und RPA-Übergaben reichen.
EPK (Ereignisgesteuerte Prozesskette) folgt der ARIS-Logik: Ereignis → Funktion → Konnektor. Varianten wie eEPK und KEPK binden Rollen, Systeme, Dokumente und Organisationseinheiten ein – hervorragend für Prozesslandkarten.

Merksatz mit Augenzwinkern:
BPMN liebt Runtime, EPK liebt Übersicht. Zusammen sind sie wie Espresso und Milch – einzeln gut, als Latte macchiato oft am besten.

Modellierungstiefe & Steuerungslogik

  • Fachlogik, Rollen, IT-Systeme, Datenobjekte
    Beide können’s, aber mit anderem Fokus: EPK glänzt bei Rollen/Organisation und Audit-Trails, BPMN punktet bei technischen Details, Datenobjekten und Exception-Flows.
  • Steuerung: Gateways vs. Konnektoren
    BPMN Gateways (XOR/OR/AND, Event-/Complex-Gateways) decken Eskalationen und Sonderfälle präzise ab. EPK Konnektoren (XOR/OR/AND) sind semantisch schlank und fachlich gut lesbar.
  • Ereignisbehandlung
    BPMN unterscheidet Start-, Zwischen- und Endereignisse (Timer, Message, Error, Escalation, Signal …). EPK kennt Ereignisse als Auslöser/Zustände – weniger Typen, dafür einfache Lesbarkeit.

Kollaboration, Choreographie & Nachbarstandards

  • BPMN Collaboration/Conversation zeigt End-to-End-Sichten mit Pools/Lanes, Nachrichtenflüssen und SLA-Events – ideal für Multi-Channel-Workflow-Automatisierung.
  • EPK strukturiert die Prozesslandschaft: vom Wertschöpfungsbaum bis zum Fachprozess – Governance inklusive.
  • Im BPMN-Ökosystem ergänzen DMN (Entscheidungstabellen) und CMMN (Case Management) sauber trennbare Aspekte: Regeln nach DMN auslagern, unstrukturierte Fälle via CMMN steuern. Ihr Modell bleibt schlank, Ihr Prüfer glücklich.

Tooling & Artefakte

  • Austauschformate: BPMN-XML ist de-facto-Standard zwischen Engines und Designern. In der ARIS/EPK-Welt gibt es mächtige Repositories, Reports, Simulationen und Governance-Features.
  • Simulation & Versionierung: Beide Welten bieten Variantenanalyse, Durchlaufzeit-Simulation und Releasemanagement. Tipp: Definieren Sie ein Minimal-Subset der Symbole und klare Namensregeln, um den „Icon-Zoo“ zu zähmen.

Nutzen im Alltag: Wo welcher Standard glänzt

  • Klarere Kommunikation
    BPMN für IT-nahe, ausführungstaugliche Modelle; EPK für fachliche Transparenz und Prozesslandkarten.
  • Automatisierung & Orchestrierung
    BPMN-Diagramme sind Blaupausen für Workflows, RPA-Bots und Microservice-Orchestrierung.
  • Compliance & Audits
    EPK macht Kontrollen sichtbar; BPMN bildet Conformance Checking, Eskalationen und Exception-Handling ab.
  • Schulung & Onboarding
    Visuelle Standards reduzieren Einarbeitungszeit und Fehlinterpretationen – Diagramme statt Detektivarbeit.

Herausforderungen (und schnelle Gegenmittel)

  • Komplexität: BPMN-„Icon-Zoo“, EPK-Variantenvielfalt → Modellierkonventionen, Styleguide, Level of Detail (Discovery / Design / Execution).
  • Konsistenz: Fach vs. IT → abgestufte Ebenen und Synchronisationsregeln.
  • Qualität & Pflege: veraltete Diagramme → definierte Rollen (Owner, Steward, Reviewer), Review-Zyklen, Change-Log.
  • Tool-Lock-in: proprietäre Features → Austauschformate nutzen, Minimal-Subset festlegen, Metamodell dokumentieren.
  • Brücke zur Umsetzung: BPMN/EPK → Automationsplattformen via Mapping-Regeln, Entscheidungen nach DMN auslagern.

Praxisbeispiele & Trends

  • Purchase-to-Pay: EPK für Landkarte & Kontrollen; BPMN für Bestellfreigaben, Eskalationen, Ausnahmen.
  • Customer Onboarding: BPMN orchestriert Multi-Channel-Flows und SLAs; EPK zeigt Rollen/Systeme glasklar.
  • Fertigung & Qualität: EPK für Auditfähigkeit; BPMN für Abweichungs-Workflows und Nacharbeit.
  • Trends: BPMN + DMN im Tandem, Low-Code-Execution, Process Mining als Feedback-Schleife in die Prozessoptimierung.

Leitfaden für die Einführung (hands-on)

  1. Zielbild definieren: Zweck (Fach, IT, Audit), Zielgruppen, erforderliche Detailtiefe.
  2. Standards festlegen: Modellierleitfaden mit Syntax-Subset, Namens- und Farbregeln, Notationsvergleich dokumentieren.
  3. Methodische Ebenen: Prozesslandkarte (EPK oder einfache BPMN), Detailprozesse (BPMN), Entscheidungen (DMN).
  4. Toolauswahl: BPMN-XML-Austausch, ARIS/Repository-Fähigkeiten, Rechte, Versionierung, Integrationen.
  5. Pilot & Review: 3–5 Kernprozesse modellieren, Walkthroughs mit Fachbereichen/IT, Qualitätssicherung.
  6. Zur Ausführung verbinden: Automationskandidaten ableiten, BPMN 2.0 testbar machen, DMN-Tabellen erstellen.
  7. Pflege & Skalierung: Rollen (Owner/Steward), Review-Kadenz, Change-Log, KPI-Feedback aus Process Mining/KPI-Monitoring.

Entscheidungsregeln „auf einen Blick“

  • Primär IT-nahe Orchestrierung?BPMN 2.0.
  • Primär fachliche Transparenz & Audit?EPK.
  • Beides?EPK für Landkarte, BPMN + DMN fürs Detaildesign und die Workflow-Automatisierung.

Fazit

BPMN eignet sich für ausführungstaugliche Workflows und saubere Exception-Behandlung. EPK liefert fachliche Transparenz, skalierbare Prozesslandkarten und starke Auditfähigkeit. Mit einheitlichen Leitfäden, Rollen und Governance vermeiden Sie Wildwuchs – und kombinieren das Beste aus beiden Welten: EPK für die Landkarte, BPMN + DMN für Design und Umsetzung. Kurz: weniger Symbol-Rätsel, mehr Business-Impact.