Wenn Unternehmen eines gemeinsam haben, dann ist es ihr unersättlicher Hunger nach Effizienz. Und was füttert diesen Hunger? Prozesse. Sauber, schlank und optimal orchestriert. Aber nicht alle Wege führen nach Rom – manche brauchen eine neue Autobahn dorthin. Willkommen in der Welt des Prozessmanagements!

Zwei Begriffe tanzen dabei besonders gern miteinander, auch wenn sie oft unterschiedliche Musik bevorzugen: Business Process Management (BPM) und Business Process Reengineering (BPR). Während BPM eher der geduldige Gärtner ist, der seine Pflänzchen hegt und pflegt, kommt BPR mit der Kettensäge und rodet den alten Wildwuchs – auf dass etwas völlig Neues entstehen kann.

Doch wann braucht dein Unternehmen kontinuierliche Evolution, und wann ist eine radikale Revolution nötig? Das klären wir hier.


1. Was ist Business Process Management (BPM)?

Definition & Zielsetzung

Business Process Management, kurz BPM, ist die Kunst (und Wissenschaft) der stetigen Prozessverbesserung – von der Modellierung über die Umsetzung bis zur Optimierung. Ziel ist es, Unternehmensprozesse über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg effizienter, transparenter und flexibler zu gestalten.

Elemente von BPM

  • Modellierung: Prozesse sichtbar machen – wie ein Bauplan für die täglichen Abläufe.
  • Analyse: Schwachstellen identifizieren – ohne die rosa Brille.
  • Automatisierung: Technik übernimmt den langweiligen Teil.
  • Monitoring: Der Puls des Prozesses in Echtzeit.
  • Optimierung: Der ewige Feinschliff – wie ein Barista, der den perfekten Espresso sucht.

Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung

Ob mit dem PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act) oder dem guten alten Kaizen – BPM lebt vom kleinen, aber stetigen Fortschritt. Keine großen Sprünge, sondern viele kleine Schritte in die richtige Richtung.

Technologische Unterstützung

Moderne BPM-Tools, Process Mining und Low-Code-Plattformen helfen dabei, Prozesse nicht nur zu verstehen, sondern auch smart zu verbessern. Digitalisierung ahoi!


2. Was ist Business Process Reengineering (BPR)?

Ursprung & Konzept

Geprägt von Michael Hammer & James Champy in den 1990er Jahren, steht BPR unter dem Motto:
„Don’t automate, obliterate.“
Statt alte Prozesse zu digitalisieren, geht BPR aufs Ganze: Alles auf Anfang – aber besser.

Zielsetzung

Die radikale Neugestaltung von Geschäftsprozessen mit dem Ziel massiver Verbesserungen bei Kosten, Qualität, Service oder Geschwindigkeit. Think Big – wirklich BIG.

Fokus

BPR denkt vom Kunden her, stellt bestehende Strukturen infrage und nutzt neue Technologien als Sprungbrett in die Zukunft. Häufige Auslöser:

  • Unternehmenskrisen
  • Disruptive Marktveränderungen
  • Digitale Transformation

Wer beim BPR mitmacht, muss bereit sein, heilige Kühe zu schlachten – und neue Wege zu gehen.


3. BPM vs. BPR – Die zentralen Unterschiede

KriteriumBPMBPR
ZielsetzungOptimierung bestehender ProzesseRadikale Neugestaltung von Grund auf
AnsatzInkrementell, kontinuierlichDiskontinuierlich, disruptiv
ZeithorizontLangfristig, stabilKurzfristig, tiefgreifend
Risiko & AufwandGering bis mittelHoch (Zeit, Ressourcen, Change Management)
MitarbeitereinbindungHoch (Bottom-up)Eher Top-down
TechnologiefokusIntegration zur VerbesserungErmöglicher von Innovation

4. Wann eignet sich welcher Ansatz?

Business Process Management (BPM) eignet sich für Unternehmen mit:

  • Stabilen Strukturen
  • Fokus auf Effizienz und Qualität
  • Interesse an langfristiger Prozesspflege

Business Process Reengineering (BPR) ist die Wahl für:

  • Unternehmen in der Krise
  • Drastisch veränderte Marktbedingungen
  • Mutige digitale Transformationsprojekte

Kombination möglich? Aber klar! Viele Unternehmen fahren gut mit einer BPM-Strategie, setzen aber gezielt BPR-Initiativen ein, um echte Innovationssprünge zu schaffen.


5. Praxisbeispiele & Trends

BPM in Action:
Ein Unternehmen digitalisiert die Urlaubsanträge. Mitarbeiter stellen Anträge im System, Führungskräfte genehmigen per Klick. Transparent, schnell, papierlos – ein klassisches BPM-Beispiel.

BPR live und radikal:
Ein Unternehmen überdenkt seinen Kundenservice. Weg mit der Hotline, her mit einem intelligenten Self-Service-Portal. Mit KI-basierten Chatbots und automatisierten Rückrufsystemen. Das ist BPR in seiner vollen Pracht.

Aktuelle Trends:

  • Adaptive BPM-Systeme mit KI
  • Agile Reengineering-Projekte
  • Low-Code-Tools als Beschleuniger beider Ansätze

Fazit: Evolution oder Revolution – beide führen zum Ziel

Ob du auf die kontinuierliche Prozessoptimierung durch BPM oder die radikale Prozessneugestaltung per BPR setzt – beide Methoden haben ihren Platz im Werkzeugkasten moderner Unternehmen. Die Kunst liegt darin, den richtigen Hebel zur richtigen Zeit zu ziehen.

Manchmal reicht der Schraubenzieher. Manchmal braucht es den Presslufthammer.


Key Facts (für alle mit wenig Zeit)

  • BPM = kontinuierliche Verbesserung, BPR = radikale Neugestaltung
  • Unterschied in Zielsetzung, Tempo, Risiko und Technologieeinsatz
  • Entscheidung hängt ab von Unternehmenslage, Marktdruck und Zielen