KPIs im Rückspiegel, KRIs auf dem Radar
Kennzahlen, Dashboards, bunte Diagramme – all das lässt Controller-Herzen höherschlagen. Doch während klassische Key Performance Indicators (KPIs) uns erzählen, was passiert ist, bleibt oft offen, was noch passieren könnte. Willkommen in der Welt der Key Risk Indicators (KRIs) – der Frühwarnsysteme fürs Prozesscontrolling.
Denn in Zeiten von Digitalisierung, Just-in-Time-Lieferketten und Cyberrisiken genügt es nicht mehr, nur auf den Tacho zu schauen. Man braucht auch ein Radar. Dieser Beitrag zeigt, warum KRIs ein echter Gamechanger im Prozesscontrolling sind – und wie Unternehmen sie strategisch einsetzen können, um ihre Prozesse vorausschauend und resilient zu steuern.
Begriffsklärung – Damit keine Zahl auf der Strecke bleibt
- KPI (Key Performance Indicator): Leistungskennzahlen zur Bewertung vergangener oder aktueller Performance
- KRI (Key Risk Indicator): Frühindikatoren für potenzielle Risiken – also Zahlen mit eingebautem Warnblinker
- Prozesscontrolling: Die Kunst, Geschäftsprozesse datenbasiert zu analysieren, zu überwachen und zu optimieren
Vom reaktiven zum proaktiven Controlling: Warum KRIs immer wichtiger werden
Klassische KPIs sind wie ein Fotoalbum – sie zeigen schöne oder weniger schöne Erinnerungen. Nur leider helfen sie kaum, Katastrophen zu vermeiden, bevor sie eintreten. KRIs hingegen sind das Frühwarnsystem im dynamischen Unternehmensumfeld.
Denn: Wer erst handelt, wenn der KPI rot aufleuchtet, hat den Brand vielleicht schon im Serverraum. KRIs identifizieren potenzielle Schwachstellen, bevor diese zu echten Problemen werden – etwa durch Anomalien in Datenflüssen, steigende Bearbeitungszeiten oder wachsende Systemlatenzen.
Und gerade in digitalisierten Prozessen mit hoher Komplexität und Interdependenz braucht es vorausschauende Steuerung. KRIs ermöglichen genau das: von „reaktiv“ zu „proaktiv“.
Einsatzpotenziale von KRIs im Prozesscontrolling
Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig – hier ein kleiner KRI-Werkzeugkasten für Prozessprofis:
- Lieferketten & Logistik: Ein plötzlicher Anstieg der Lieferzeiten kann auf ein bevorstehendes Engpassrisiko hinweisen
- IT-Schnittstellen: Wiederkehrende Übertragungsfehler oder erhöhte Antwortzeiten könnten ein technisches Risiko ankündigen
- Compliance-Prozesse: Ungewöhnlich viele manuelle Overrides? Da steckt vielleicht ein Governance-Problem dahinter
KRIs ermöglichen automatisierte Eskalationen, bevor der Kunde überhaupt etwas merkt. Kombiniert mit KI und Analytics, wird daraus ein intelligentes Frühwarnsystem, das nicht nur meldet, dass etwas schiefläuft, sondern auch wo und warum.
KRIs unterstützen zudem bei der Prozessautomatisierung: Risiken werden früh erkannt, Prozesse entsprechend angepasst, ohne dass der Mensch ständig eingreifen muss – das ist Governance mit Weitblick.
Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Einführung von KRIs
Natürlich kommt der KRI-Zauber nicht per Knopfdruck. Unternehmen stehen vor diversen Herausforderungen – aber keine Sorge, es gibt Lösungen:
Technische Hürden: Datenverfügbarkeit ist der Schlüssel. Ohne saubere Daten, keine sauberen Indikatoren. Daher: Integration der KRI-Logik in bestehende Systeme (BPM, ERP) und visuelle Aufbereitung via Dashboards.
Organisation & Struktur: Klare Zuständigkeiten und Governance-Strukturen sind essenziell. Wer definiert den KRI? Wer reagiert bei Abweichungen?
Kulturwandel: Risikobewusstsein muss in die DNA. Das bedeutet: Schulungen, Change Management und Kommunikation – nicht jeder liebt neue Kennzahlen.
Best Practice: Starte klein – mit wenigen, aber relevanten KRIs. Teste, passe an, skaliere. Kein Unternehmen ist auf Anhieb KRI-Weltmeister.
Praxisbeispiele & Trends
Produktion: Ein Maschinenhersteller nutzt KRIs, um Anomalien im Energieverbrauch als Hinweis auf mögliche Ausfälle zu erkennen – lange bevor eine Maschine stehen bleibt.
Kundenservice: Ein plötzliches Ansteigen der Eskalationsrate bei Support-Tickets deutet auf Prozessengpässe oder Schulungsbedarf hin – frühzeitig erkannt, bevor der Kundenfrust eskaliert.
Markttrends: Immer mehr BPM- und ERP-Anbieter integrieren KRI-Logiken direkt in ihre Systeme. Und: KRIs werden Teil moderner Performance-Cockpits, die nicht nur Leistung zeigen, sondern auch auf Risiken hinweisen. Es geht nicht mehr um „Was war“, sondern um „Was kommt“.
Key Facts auf einen Blick
- KRIs ergänzen KPIs sinnvoll: Sie liefern entscheidende Frühwarninformationen für eine vorausschauende Prozesssteuerung
- Technologie & Kultur sind Erfolgsfaktoren: Die Implementierung erfordert digitale Werkzeuge und ein proaktives Mindset
- KRIs stärken die Resilienz von Prozessen: Risiken früh erkennen, Schwachstellen beheben – bevor’s brennt
Fazit: Lieber früh gewarnt als spät gelernt
In einer Welt, in der sich Rahmenbedingungen schneller ändern als der Kaffee im Büro kalt wird, braucht es neue Werkzeuge im Prozesscontrolling. KRIs sind keine Modeerscheinung, sondern strategische Instrumente, um Unternehmen resilient, agil und vorausschauend zu steuern.
Also: KPIs sind gut – KRIs machen sie besser. Und wer heute KRIs einführt, hat morgen weniger Krisen.


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