Von der Datensuppe zum Entscheidungsbraten

In einer Welt, in der jeder über Daten spricht, aber kaum jemand damit richtig kocht, braucht es vor allem eines: ein gutes Rezept – und eine saubere Küche. Genau das liefert Prozessmanagement. Denn so sehr datengetriebene Entscheidungen in aller Munde sind, so wenig gelingt es vielen Unternehmen, Daten sinnvoll zu nutzen.

Die zentrale These: Ohne Prozesse kein Kontext – und ohne Kontext keine guten Entscheidungen. Wer nur Zahlen sieht, aber nicht versteht, woher sie kommen oder wie sie zustande kamen, entscheidet oft auf Basis von Illusionen statt Informationen.

Was wir brauchen? Eine solide Prozessbasis. Prozesse, die nicht nur laufen, sondern dokumentiert, strukturiert und standardisiert sind. Denn nur dann lässt sich mit Daten auch etwas anfangen – außer bunte Dashboards für’s Management zu bauen.


Prozesse und Daten – ein Dreamteam mit Anlaufschwierigkeiten

Beginnen wir mit einer einfachen Wahrheit: Jede Handlung im Unternehmen erzeugt Daten. Ob eine Bestellung ausgelöst, ein Kunde beraten oder eine Rechnung freigegeben wird – der Prozess produziert dabei eine Spur aus Informationen.

Aber: Diese Daten sind nur dann wertvoll, wenn sie im richtigen Kontext interpretiert werden können. Und genau diesen liefert das Prozessmanagement. Ein KPI wie „Durchlaufzeit 5 Tage“ klingt super – bis man merkt, dass der Prozess eigentlich in 2 Tagen durch sein sollte. Ohne Prozessmodell? Keine Ahnung.

Außerdem gilt: Datenqualität beginnt im Prozess. Wenn Eingaben manuell, Verantwortlichkeiten unklar oder Systeme nicht integriert sind, entsteht Datenmüll. Und auf dem kann man zwar sitzen, aber schlecht Entscheidungen treffen.


Was Prozessmanagement für datengetriebenes Entscheiden leistet

Gut geführte Prozesse sind wie perfekt vorbereitete Bühnen – die Daten können glänzen. Denn:

  • Datenqualität steigt, wenn klar ist, wer was wann wie einzutragen oder zu prüfen hat.
  • KPIs werden vergleichbar, wenn Prozesse standardisiert und zentral überwacht werden.
  • Ursache-Wirkung wird sichtbar, wenn Abweichungen im Prozess direkt analysiert werden können – warum schwankt die Conversion-Rate? Vielleicht klemmt der Angebotsprozess?
  • Reaktionsfähigkeit steigt, weil Prozesskennzahlen in Echtzeit gemonitort werden – und nicht erst nach dem Monatsmeeting entdeckt wird, dass etwas schiefläuft.

Wer das einmal erlebt hat, will nie wieder ohne: Wenn das Controlling fragt, warum die Lagerkosten explodieren, und der Prozessverantwortliche in drei Klicks die Bottlenecks visualisiert – das ist datengetriebene Magie.


Herausforderungen – und wie man sie prozessorientiert löst

Natürlich läuft nicht alles rund. Viele Unternehmen kämpfen mit:

  • Technischen Barrieren: Daten liegen in Silos, Systeme sind nicht vernetzt, Prozesse brechen an Medienbrüchen.
  • Organisatorischen Defiziten: Fachbereiche kennen ihre Prozesse nicht genau – und den Datenbezug schon gar nicht.
  • Kulturellen Altlasten: Entscheidungen basieren immer noch auf „Das haben wir schon immer so gemacht“ statt auf KPIs.

Lösungsansätze gibt’s reichlich – und sie beginnen immer mit dem Prozess:

  • Prozessorientiertes Datenmanagement stellt sicher, dass Datenflüsse entlang der Prozesskette definiert und dokumentiert sind.
  • Data Governance auf Prozessebene sorgt für klare Regeln, Verantwortlichkeiten und Qualitätsstandards.
  • Process Mining bringt Licht ins Dunkel: Reale Daten werden genutzt, um tatsächliche Prozessverläufe zu analysieren, Abweichungen zu erkennen und Ursachen zu erforschen.

Aus der Praxis: So wird aus Daten echte Entscheidungsintelligenz

Was tun fortschrittliche Unternehmen?

  • Sie nutzen Process Mining, um Prozessengpässe datenbasiert zu identifizieren – und das nicht nur retrospektiv, sondern zunehmend auch prädiktiv.
  • Sie bauen automatisierte KPI-Dashboards, die direkt aus den Prozessen gespeist werden – ohne manuelles Copy-Paste aus fünf Excel-Dateien.
  • Sie verknüpfen Business Intelligence mit Prozessmodellen – etwa durch Integration von Tools wie Signavio und Power BI.
  • Und sie denken in Richtung Data-Driven BPM: Prozesse werden nicht nur modelliert, sondern kontinuierlich anhand von Daten verbessert.

Ein schönes Beispiel: Ein Servicecenter, das seine First Contact Resolution Rate verbessern will. Statt Vermutungen zu analysieren, nutzt es Process Mining und erkennt: Der häufigste Grund für Zweitanrufe liegt in einer unklaren Bestätigungsmail. Ein Prozessschritt wird angepasst – und die KPI steigt. Zack – datengetriebene Entscheidung, ganz ohne Kristallkugel.


Key Facts – für die Entscheidungsfreudigen

  • Ohne Prozess kein Kontext – und ohne Kontext keine gute Datenanalyse.
  • Prozessmanagement schafft Transparenz, Standards und Verantwortlichkeiten – die Basis für Datenqualität.
  • Datengetriebene Entscheidungen gelingen, wenn Prozesse, KPIs und Analysewerkzeuge zusammen gedacht werden.
  • Process Mining und BI-Integration sind keine Hypes, sondern der Weg zu echter Entscheidungsintelligenz.

Fazit: Der Datenkompass braucht Prozesslandkarten

Daten sind das neue Öl – aber wer will schon Rohöl trinken? Erst durch die Raffinerie des Prozessmanagements werden aus rohen Daten wertvolle Insights. Wer Prozesse kennt, kann Daten deuten. Wer Prozesse steuert, kann mit Daten gestalten.

Datengetriebenes Entscheiden beginnt also nicht im Dashboard – sondern im Prozessmodell. Und wer das verstanden hat, spart sich nicht nur Fehlentscheidungen, sondern auch jede Menge Kaffeesatzleserei.