Wer im Prozessmanagement mitreden will, sollte nicht nur die Prozesse kennen – sondern auch wissen, welche Prozessarten es gibt. Denn in der Praxis wird schnell klar: Nicht jeder Prozess ist gleich. Manche schaffen direkt Wert für den Kunden, andere laufen im Hintergrund, und wieder andere lenken das große Ganze. Willkommen in der faszinierenden Welt der Prozessarten.

In diesem Beitrag erklären wir, warum die Unterscheidung zwischen Kernprozessen, Unterstützungsprozessen und Führungsprozessen keine akademische Fingerübung ist, sondern der Schlüssel zu mehr Transparenz, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Und natürlich zeigen wir, wie man diese Unterscheidung in der Praxis sinnvoll umsetzt – mit Beispielen, Tipps und einem Augenzwinkern.


Warum eine klare Prozessstruktur zählt

Strukturierte Prozesse sind wie ein gutes Navigationssystem: Sie zeigen, wo’s langgeht, wo Engpässe sind – und wo der nächste Stau droht. Nur wer seine Prozesse kennt und richtig klassifiziert, kann sie auch gezielt optimieren. Die Unterscheidung in Kern-, Unterstützungs- und Führungsprozesse hilft dabei, Verantwortlichkeiten zu klären, Prioritäten zu setzen und den Fokus auf das Wesentliche zu legen: die Wertschöpfung.


Was sind Kern-, Unterstützungs- und Führungsprozesse?

Kernprozesse – Der Motor der Wertschöpfung

Definition: Kernprozesse sind die Prozesse, die direkt zur Wertschöpfung beitragen. Sie sind kundenorientiert, marktnah und in der Regel das, was das Unternehmen nach außen hin leistet.

Typische Beispiele:

  • Herstellung von Produkten (Produktion)
  • Vertrieb und Verkauf
  • Kundenservice

Merksatz: Wenn der Kunde dafür bezahlt, ist es ein Kernprozess.


Unterstützungsprozesse – Die stillen Helden im Hintergrund

Definition: Unterstützungsprozesse sind nicht direkt wertschöpfend, aber sie schaffen die Voraussetzungen dafür, dass die Kernprozesse überhaupt funktionieren können.

Typische Beispiele:

  • IT-Support
  • Personalmanagement (HR)
  • Buchhaltung und Controlling

Merksatz: Unterstützungsprozesse bringen keine Umsätze, aber ohne sie gäbe es keine.


Führungsprozesse – Die Steuerzentrale des Unternehmens

Definition: Führungsprozesse sind strategischer Natur. Sie setzen Ziele, schaffen Regeln und sorgen dafür, dass das Unternehmen in die richtige Richtung gesteuert wird.

Typische Beispiele:

  • Unternehmensplanung
  • Qualitätsmanagement
  • Risikomanagement

Merksatz: Führungsprozesse geben die Richtung vor – wie der Kapitän auf der Brücke.


Nutzen einer klaren Prozessklassifikation

Warum sich der Aufwand der Prozessklassifikation lohnt? Ganz einfach:

  • Transparenz schaffen: Wer weiß, welcher Prozess welchen Zweck erfüllt, kann besser entscheiden, wo Ressourcen gebraucht werden.
  • Optimierungspotenziale erkennen: Nicht jeder Prozess muss auf Hochglanz poliert werden. Fokus auf die Kernprozesse bringt meist den größten Return.
  • Verantwortlichkeiten definieren: Mit klaren Kategorien ist auch klar, wer wofür zuständig ist – vom Prozessverantwortlichen bis zur Fachabteilung.

Herausforderungen in der Praxis – und wie man sie meistert

In der Theorie klingt alles sauber getrennt – in der Praxis sind die Grenzen oft fließend. Ist das Reporting im Vertrieb noch ein Kernprozess oder schon Unterstützung? Wer entscheidet das?

Lösungsansätze:

  • Organisatorische Verantwortung klären: Wer klassifiziert Prozesse? Wer trägt die Verantwortung? Diese Fragen müssen beantwortet sein.
  • Prozesslandkarte nutzen: Eine visualisierte Prozesslandkarte schafft Überblick und unterstützt die Einordnung.
  • Prozessverantwortung definieren: Jeder Prozess braucht einen Verantwortlichen, der Ziele, KPIs und Optimierungen im Blick hat.

Praxisbeispiele & Trends

Immer mehr Unternehmen nutzen BPMN (Business Process Model and Notation), um ihre Prozessarten visuell zu differenzieren – mit Farben, Symbolen oder Layern. Besonders spannend: Digitale Prozessplattformen wie Signavio, Aris oder Ninox ermöglichen die Integration von Prozessklassifikation, Performance-Messung und Automatisierung.

Trend-Spotlight:

  • Integration von KI-gestützter Prozessanalyse
  • Automatisierung von Unterstützungsprozessen durch RPA (Robotic Process Automation)
  • Dynamische Prozesslandkarten mit Live-Daten

Key Facts auf einen Blick

  • ✅ Klare Prozessarten schaffen Transparenz und Optimierungspotenziale
  • ✅ Kern-, Unterstützungs- und Führungsprozesse erfüllen unterschiedliche Rollen im Unternehmen
  • ✅ Eine strukturierte Prozesslandkarte ist Basis für erfolgreiches Prozessmanagement

Fazit: Prozesse mit Profil bringen Unternehmen nach vorn

Wer seine Prozesse kennt, kann sie steuern. Wer sie richtig einordnet, kann sie gezielt verbessern. Die Unterscheidung in Kern-, Unterstützungs- und Führungsprozesse ist kein Bürokratieballast, sondern ein strategisches Werkzeug. Für mehr Effizienz, mehr Klarheit – und am Ende: mehr Erfolg.

Prozessmanagement ist kein Selbstzweck. Aber mit den richtigen Prozessarten wird es zur echten Unternehmensstrategie.