Willkommen im Projektzirkus: drei laufende Initiativen, fünf Programme, ein Portfolio, das niemand ganz überblickt – und mittendrin das Projektmanagement, das irgendwie alles zusammenhalten soll. Klingt vertraut? Dann ist P3M3 vielleicht genau das, was euer Unternehmen braucht.

Das „Portfolio, Programme and Project Management Maturity Model“ – kurz: P3M3 – bringt Struktur in komplexe Projektlandschaften und hilft dabei, strategisches Projekt- und Portfoliomanagement messbar zu machen. Klingt trocken? Ist es nicht – wenn man weiß, wie man es richtig einsetzt.

Was steckt hinter P3M3?

P3M3 stammt aus dem Vereinigten Königreich, entwickelt vom Office of Government Commerce (ja, die Leute, die auch PRINCE2 ins Leben gerufen haben). Der Clou: Das Modell betrachtet nicht nur einzelne Projekte, sondern auch die übergeordneten Programme und das strategische Gesamtportfolio.

Die drei Ebenen – Projektmanagement, Programmmanagement und Portfoliomanagement – werden jeweils in fünf Reifestufen bewertet. Diese reichen vom „Wir machen einfach mal“ bis hin zu „Wir optimieren kontinuierlich mit klaren KPIs, Rollen und Prozessen“.

Ein großer Vorteil: P3M3 bewertet nicht nur die technischen Aspekte, sondern auch Organisation, Kultur, Führung und Fähigkeiten. Es ist also ein ganzheitlicher Spiegel für das Projektmanagement eines Unternehmens.

Wieso ist das für Unternehmen so spannend?

In vielen Organisationen laufen Projekte nebeneinander her wie Züge ohne Fahrplan. Ressourcen konkurrieren, Prioritäten verschieben sich, und das PMO versucht verzweifelt, Überblick zu behalten. Mit P3M3 lässt sich herausfinden, wo wirklich strukturelle Schwächen liegen, wie man sie adressiert – und wie man Reife im Projektmanagement systematisch aufbaut.

Das Modell schafft Transparenz, erlaubt Vergleiche (intern wie extern) und liefert eine solide Grundlage für gezielte Verbesserungen. Kein Rätselraten mehr, wo man ansetzen soll – sondern klare Analysen und handfeste Empfehlungen.

Und es funktioniert: Ob im Ministerium, im Energieunternehmen oder im globalen Konzern – überall dort, wo Projekte strategische Bedeutung haben, kommt P3M3 erfolgreich zum Einsatz.

Typische Stolpersteine? Gibt’s natürlich auch

Wie bei jeder Reifegradbewertung ist der erste Schritt oft der schwerste. Viele Organisationen haben keine konsolidierten Daten, wenn es um Projektbestand oder Erfolgskennzahlen geht. Auch der berüchtigte interne Widerstand – „Das lief doch bisher ganz gut“ – darf nicht unterschätzt werden.

Deshalb ist es ratsam, P3M3 nicht als Prüfbericht, sondern als Entwicklungsinstrument zu kommunizieren. Der Fokus liegt nicht auf „Fehler aufdecken“, sondern auf „Wachstum ermöglichen“. Change Management spielt hier eine zentrale Rolle – ebenso wie die Einbindung des Top-Managements.

Und ja: P3M3 lässt sich wunderbar mit bestehenden Standards und Methoden kombinieren – PRINCE2, PMI, agile Frameworks oder hybride Modelle. Viele Unternehmen nutzen P3M3 als übergeordnetes Steuerungsmodell, um ihre Methodenvielfalt zu synchronisieren.

Wie sieht das in der Praxis aus?

Ein großer Telekommunikationsanbieter nutzte P3M3, um sein gesamtes Projektportfolio zu konsolidieren. Ergebnis: bessere Abstimmung zwischen Programm- und Projektleitern, klare strategische Prioritäten und ein PMO, das endlich fundierte Steuerungsimpulse setzen konnte.

Auch Behörden setzen zunehmend auf P3M3 – insbesondere, wenn es um Fördermittel oder große IT-Vorhaben geht. Dort schafft das Modell nicht nur Sicherheit, sondern auch Nachvollziehbarkeit gegenüber internen und externen Stakeholdern.

Und die Tools? Viele Organisationen setzen mittlerweile auf digitale P3M3-Assessments, die via Self-Service-Portale durchgeführt werden können. Das spart Zeit, schafft Akzeptanz – und integriert sich problemlos in bestehende Plattformen wie Jira, Clarity oder ServiceNow.

Fazit: P3M3 als Kompass für professionelle Projektsteuerung

P3M3 ist kein weiteres Zertifikat für die Wand, sondern ein echtes Steuerungsinstrument. Es zeigt, wo das Projektmanagement einer Organisation steht – und wie es sich strategisch weiterentwickeln kann.

Für wen lohnt sich das? Für PMOs, Projektverantwortliche, Transformationsmanager:innen und Führungskräfte, die wissen wollen: Wo stehen wir? Was können wir besser machen? Und wie kommen wir auf das nächste Level?

Handlungsempfehlungen für den Einstieg

  • Starte mit einem unverbindlichen Self-Assessment oder einem Workshop.
  • Wähle eine Pilotorganisation oder ein Programm aus.
  • Lege realistische Ziele fest – und feiere kleine Fortschritte.
  • Und ganz wichtig: Hol die Führungskräfte an Bord. Ohne Rückhalt von oben bleibt Reife leider oft Theorie.

Key Facts zum Mitnehmen

P3M3 bewertet Projekte, Programme und Portfolios auf drei Ebenen
Das Modell bringt Transparenz, Vergleichbarkeit und klare Entwicklungspfade
P3M3 lässt sich flexibel in bestehende PM-Strukturen und Methoden integrieren